Der Nahost-Konflikt steht jetzt in der Bauzinstabelle
Nach drei ruhigen Monaten zogen die Bauzinsen im April deutlich an: von 3,74 Prozent im März auf 3,91 Prozent. Der Auslöser liegt weit weg vom Bauamt, bei Energiepreisen und Inflation.
Der Durchschnittszins für Wohnungsbaukredite mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung lag im April bei 3,91 Prozent. Im März waren es 3,74, im Februar 3,82 und im Januar 3,84. Nach einem ruhigen Winter also ein Sprung von 0,17 Prozentpunkten in einem Monat.
Der Grund steht nicht im Baugewerbe. Steigende Energiepreise treiben die Inflation im Euroraum, und der Krieg im Nahen Osten hält den Druck aufrecht. Wenn die Inflation anzieht, steigen die Renditen langlaufender Anleihen, und daran hängen über die Pfandbriefe die Baufinanzierungszinsen.
Was 0,17 Prozentpunkte ausmachen
Bei 400.000 Euro Darlehen sind das rund 57 Euro Zinsen mehr im Monat, knapp 680 Euro im Jahr. Über zehn Jahre Zinsbindung summiert sich das auf einen fünfstelligen Betrag, ohne dass am Haus irgendetwas anders geworden wäre.
Genau deshalb hat die Reihenfolge beim Bauen eine Bedeutung, die viele unterschätzen. Wer sein Budget im Januar mit dem Januarzins gerechnet hat und im Herbst zur Bank geht, rechnet mit einem anderen Zins. Der Kostenrahmen sollte deshalb einen Aufschlag vertragen. Ein halber Prozentpunkt Puffer ist keine Schwarzmalerei, sondern die Erfahrung der letzten zwei Jahre.
Was das nicht heißt
Es heißt nicht, dass man jetzt schnell unterschreiben müsste. Wer Ihnen sagt, wo die Zinsen im Herbst stehen, rät, und wer damit Druck macht, verkauft.
Was hilft, ist die eigene Rechnung robust zu machen: Zinsbindung lang genug wählen, Tilgung nicht zu knapp ansetzen und die Förderdarlehen mitnehmen, deren Konditionen sich nicht im Wochentakt bewegen. Was davon für Sie in Frage kommt, zeigt der Förderkompass.
Quelle: Deutsche Bundesbank / EZB-Datenportal, MFI-Zinsstatistik